In diesem Beitrag erfährst du, was unter afrikanischem Tanz verstanden wird, welche Vielfalt an afrikanischen Tanztraditionen es gibt, wie der Körper dabei in Bewegung kommt und meinen persönlichen Zugang zu afrikanischem Tanz.

Was genau versteht man eigentlich unter afrikanischem Tanz?

Mit „afrikanischem Tanz“ werden verschiedenste Tänze aus Subsahara-Afrika beschrieben. Genau genommen gibt es „den“ afrikanischen Tanz nicht. Afrika ist ein Kontinent mit mehr als 50 Ländern sowie einer großen Vielfalt an ethnischen Gruppen, Sprachen, Kulturen und demnach auch Tanzstilen. Eine einheitliche Definition ist daher nicht möglich, sowie es auch keinen „europäischen Tanz“ gibt.

Agnes BlumenscheinMusik, Tanz und Gesang sind in Afrika elementarer Bestandteil des Lebens der Menschen. Sie erfüllen wichtige Funktionen im sozialen, religiösen sowie im traditionellen und rituellen Kontext – so gibt es z.B. Geburts-, Kriegs-, Initiations-, Begrüßungstänze und Tänze, die Stolz, Freiheit und den Widerstand gegen Unterdrückung zum Ausdruck bringen. Sie zeigen häufig alltägliche Bewegungen und spiegeln die enge Verbindung der Menschen zu ihrem natürlichen Lebensraum wider. Viele westliche Tanzstile haben ihren Ursprung in afrikanischen Tanztraditionen (z.B. Jazz Dance, Hip Hop, Popping, Break Dance). Zudem gibt es heute moderne Tanzrichtungen, wo traditionelle afrikanische und urbane westliche Musik, Kulturen und Bewegung miteinander verschmelzen.

Was viele afrikanische bzw. in-Afrika-wurzelnde Tänze gemeinsam haben, ist eine starke Erdverbundenheit, die polyrhythmische Musik, ausgeprägte Musikalität, die Isolation einzelner Körperteile und deren Zusammenspiel, sowie ein lebendiger Dialog zwischen Tänzer:innen und Trommler:innen. So werden die Bewegungen traditionell auf die Rhythmen der Instrumente abgestimmt und folgen dem sogenannten Appel, der den nächsten Tanzschritt einleitet. Die Wiederholung von Bewegungen spielt eine zentrale Rolle: Schrittfolgen verdichten sich, werden schneller, fordern Ausdauer und Präsenz.

Afro-Haitianischer Tanz und mein Bezug dazu

Ich habe vor allem traditionelle Tänze aus Haiti und Westafrika kennengelernt. Der afro-haitianische Tanz verbindet west- und zentralafrikanische Wurzeln mit haitianischen Traditionen und symbolisiert die Verbindung zwischen Natur und Mensch sowie dem Diesseits und Jenseits. Die rituellen Folklore-Tänze sind nach ihrer ethnischen Herkunft und den Instrumenten, die verwendet werden, benannt. Beispiele für afro-haitianische Folklore-Tänze, deren Bewegungen ich u.a. in meinen Tanzstunden vermittle sind I(g)bo, Nago, Mahi, Yanvalou. Yanvalou ist in Haiti ein zentraler Rhythmus und Tanz, der dem haitianischen Voudou entstammt. Er zeichnet sich durch langsame fließende Bewegungen aus, wie die der Wellen des Ozeans oder der Fortbewegung einer Schlange. Der Schwerpunkt ist tief, die Knie sind gebeugt und die Wirbelsäule ist in steter Bewegung vom Kopf bis zum Becken.

Agnes Blumenschein

Afrikanische Tänze begeistern mich durch ihre starken Rhythmen und den Ausdruck purer Lebenskraft. Alles kommt dabei in Bewegung, der gesamte Körper wird aktiviert: Kein Teil bleibt unbewegt – Körperteile, die im Alltag und in europäischen Tänzen oft wenig genutzt werden, wie z.B. das Becken und der Brustkorb werden stark miteinbezogen. Flexibilität, Rhythmusgefühl, Koordination und ein ganzheitliches Körperbewusstsein werden gestärkt. Zudem werden Kraft und Stabilität aus der Körpermitte sowie Lockerheit und Entspannung in Armen und Beinen trainiert.

Als Tanz- und Ausdruckstherapeutin weiß ich um die positive und stärkende Wirkung von Tanz auf unsere Psyche und dass Beweglichkeit im Körper auch zu Beweglichkeit im Denken, Fühlen und in unserer Handlungsfähigkeit führt. Für mich stehen in afrikanischen Tänzen vor allem Lebendigkeit, Erdverbundenheit und Lebensfreude im Mittelpunkt – und das möchte ich in meinen Stunden spielerisch und leicht vermitteln.

2011 begann ich, bei Karine Label (aus Haiti, lebend in Wien) afro-haitianischen Tanz zu lernen. Weitere Impulse erhielt ich unter anderem bei Jean Louis Gadé, Andrea Vezga Acevedo, Kristina und Sadé Alleyne, Koffi Kôkô und Kukuwa Kyereboah-Nuamah.

Folgende weiterführende Links geben Einblick in Tanztraditionen, die mich und meine Arbeit inspirieren:

Karine LaBel beim ImpulsTanzfestival 2024: https://www.youtube.com/watch?v=B-ujm_DjK0s

Kristina & Sadé Alleyne "Afro Fusion" beim ImpulsTanzfestival 2016: https://www.youtube.com/watch?v=W51dvuDUye0

Kürzlich hat choretaki mit mir ein Interview geführt, das du hier nachlesen kannst.

Aktuelle Termine findest du auf choretaki und auf meiner Homepage.

photocredits: Markus Hippmann (Tanzausbildung Wien)

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